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Deutsch-Bulgarische Straßentier- Nothilfe e.V. - Tierheime in Dobrich, Schumen und Rousse
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Andere über uns

Zwei Wochen Rousse - ein Rückblick / Juni 2010

Meine zwei Wochen in Rousse auf wenigen Blättern Papier zusammen zu fassen, erscheint mir momentan unmöglich. Zu überwältigend sind meine Eindrücke, zu groß die Gefühle. Aber ich freue mich auch, anderen Menschen von meinen Erfahrungen berichten zu dürfen.
Ich versuche einfach mal, vorne anzufangen...
Im Januar dieses Jahres lernte ich über die liebe Schwester Tine von der Früh- und Neugeborenenintensivstation des Klinikums Darmstadt die Deutsch-Bulgarische Straßentiernothilfe kennen. Tine drückte mir das Buch Misas Stern in die Hand und sagte nur: "Lies!" Ich fing an und konnte nicht weiter lesen. Schon die ersten Sätze waren erdrückend. Ich gab es ungelesen zurück.
Aber das Schicksal der Hunde ließ mich nicht mehr los. Daraufhin schaute ich täglich auf der Homepage der Deutsch-Bulgarischen Straßentiernothilfe vorbei, übernahm insgesamt fünf Patenschaften und beschloss, auf eigene Faust für die Organisation zu sammeln und dann sogar, eine Zeit in Bulgarien zu verbringen.
So kam der Kontakt mit Herrn Dimitrov zustande, der erst total überrascht war und mir dann empfahl, nach Rousse zu gehen. Dort sei ich am besten aufgehoben, aber Englisch spräche keiner... Also kaufte ich mir wild entschlossen einen Bulgarisch für Anfänger-Kurs und lernte Bulgarisch. Obwohl mir zuhause ein teils kühler, jedoch sorgenvoller Wind um die Nase wehte (mein Freund glaubte, dass ich mindestens mit 390 Hunden nachhause käme), flog ich am 12.06.2010 nach Sofia und von dort weiter nach Varna. In meinem Sprachkurs war ich immerhin bei Lektion fünf von neun angelangt!
Am Flughafen wurde ich von Katja, Nelli und Ivelina abgeholt. Ich erkannte sie nur an den vielen Hundeboxen und wusste auch gar nicht, was ich sagen sollte. Also sagte ich "Dober den, tschakam tuk" (Guten Tag, ich warte hier). Welch ein super Einstieg...
Die Heimfahrt war mitten in der Nacht, ich war seit 24h auf und dementsprechend müde. Dennoch bemühte sich Ivelina, eine der Tierärztinnen, sich mit mir zu unterhalten - in fließendem Englisch!
Trotz aller Widerstände, die ich versucht hatte zu leisten, weil ich keine Kosten und Umstände bereiten wollte, war ich bei Nelli, einer Mitarbeiterin des Tierheims, untergebracht. Bei ihr zuhause wohnten noch ihr Mann, 14 Katzen und vier Hunde. Ich fühlte mich sofort wohl.
Montags ging es dann zum ersten Mal ins Tierheim. Ich hatte ein komisches Gefühl. Mir war klar, dass ich nicht wirklich helfen konnte und dass ich möglicherweise mehr Belastung als alles Andere war. In zwei Wochen lernt man Abläufe nicht kennen, im schlimmsten Fall behindert man sie nur. Ich rechnete auch damit, dass mir jemand sagt: "Hier, Putzzeug. Zwinger 1 bis 36 muss noch saubergemacht werden!" Aber es kam Alles ganz anders. Ich wurde von den Leuten sehr herzlich aufgenommen und mein Bulgarisch half mir doch sehr: ich konnte etwas reden, verstand aber nichts ;-)
Die ersten beiden Tage arbeitete ich mit Ani daran, Decken und Planen über die vorderen Zwinger zu hängen, um den Hunden Schattenplätze zu schaffen. Am dritten Tag kam ein Sturm, am vierten Tag fingen wir wieder von vorne an.
Meine Ängste, dass ich 400 Hunde mit nachhause nehmen will, verschwanden. Die Zwinger waren nicht dreckig, es stank nicht. In einem Satz: ich hatte es mir wesentlich schlimmer vorgestellt. Jeden Tag wurde von morgens bis abends geputzt, kein Hund lebt dort in seinen eigenen Exkrementen. Jeder Hund hat seine eigene Hütte, die aus altem Holz gebaut wird. Trotzdem ist es teilweise eng und unsere deutschen Tierheim wirken dagegen wie 5*-Hotels.


Die Zwingeranlagen in Rousse                                               Holz für die Hundehütten

Die ersten Tage waren so eindrucksreich, dass ich gar nichts verarbeiten konnte. Jeden Tag neue Hunde, jeden Tag mehr Hunde.
Bald schon durfte ich mich allein in der Anlage bewegen und besuchte natürlich zuerst meine Patenhunde Jessie


die süße Jessie, sehr anhänglich und verschmust

und Tammy;


Tammy - hübsch, jung, liebt Bauchkraulen

Die blinde Slepochka, mein Liebling, zog sogar ins Büro um, damit ich sie um mich haben konnte.
In den nächsten Tagen begann ich einfach damit, irgendwelche Hunde zu bürsten, weil sie teilweise noch ihr Winterfell hatte. Und als ich dachte, dass ich vielleicht 1/3 hätte, stellte ich fest, dass die Zwingeranlage hinter den Häusern noch viel viel weiter geht. Lauter Hunde, die ich vorher gar nicht gesehen hatte. Unglaublich.
Wenn man einen Zwinger betritt, wird man bestürmt. Von allen Seiten. Und jeder Hund will nur genau eins: Streicheleinheiten. Keiner ist bösartig. Die Ängstlichen gehen einfach weg. Es ist einfach schön zu sehen, wie diese Hunde sich über die geringste Aufmerksamkeit freuen. In ihnen steckt so viel Liebe...


Die vorderen, kleineren... ...und die hinteren, größeren Zwinger

Zusammen mit Didi entwurmte ich in den zwei Wochen 400 Hunde und das Wunder - ich wurde kein einziges Mal gebissen!
Automatisch fing ich an, mich mehr um die kranken Hunde zu kümmern. Wahrscheinlich Helfer-Syndrom! Mein humanmedizinisches Wissen half mir leider nicht viel, aber ich versuchte zunehmend den Tierärztinnen Katja und Ivelina zur Hand zu gehen. Immer öfter war ich in der Krankenstation, verteilte Medikamente, putzte, badete und bürstete. In der Krankenstation ist jeden Morgen was los. Invalide Hunde rennen hin und her, Welpen schwänzeln um die Beine herum, Katzen springen hoch und Alle wollen nur das Eine: Aufmerksamkeit. In einem Raum werden die OPs durchgeführt: Kastrationen, Amputationen, Tumorentfernungen. Die Medizin ist einfach und effektiv. Infektionen gibt es nahezu keine. An einem Tag wurde die Hündin Sara operiert, sie hat einen großen Bauchtumor. Am nächsten Morgen hatte sie sich die ganze Wunde aufgekratzt und -gebissen und sich auch noch im Nachbarraum etwas zu essen besorgt. Wir mussten bis zum nächsten Tag warten, um ihre Wunde wieder zu vernähen. Ich bastelte ihr ein T-Shirt, das ich ihr über den Kopf zog und an ihrer Rute festmachte, damit sie es nicht hoch ziehen konnte. Sara war wenig begeistert, aber die Wunde blieb zu.
An einem Tag haben Katja und Ivelina eine Katze operiert, die nach einem Autounfall eine offene Fraktur des einen Hinterlaufs hatte. Die OP war schwierig, die Katze danach schwach. Als Wärmflasche diente eine Domestos-Flasche mit heißem Wasser. Ihren Zweck hat sie erfüllt - und der Katze geht es wieder gut.


Vor                       während                       und nach der OP

Als ich nach Bulgarien flog, hatte ich eine eindeutige Einstellung zu schwer invaliden Hunden: Was soll das? Das ist Quälerei. Warum werden die nicht eingeschläfert und erlöst?
In Bulgarien habe ich mich gedreht. Um 180Grad. Wegen Bebo. Und wegen Pencho (Reddy).
Schon am ersten Tag, als ich ins Büro kam, rannte ein kleinerer Schäferhund auf mich zu: Bebo. Ich dachte nur, der läuft aber komisch. Bebo schien das nicht zu stören. Er rannte mir hinterher, strahlte mich an und suchte meine Nähe, um Streicheleinheiten zu ergattern. Seine Augen waren die reine Lebensfreude. Sein ganzes Wesen die pure Lebenslust. Ich war sofort in ihn verliebt und vollkommen entsetzt, als ich die eitrigen Stümpfe seiner amputierten Hinterbeine entdeckte. Autounfall. Unfassbar.
Jeden Tag steckte ich diesen wunderbaren Hund in Kaliumpermanganatbäder. Jeden Tag wickelten Ivelina und ich seine Stümpfe. Jeden Tag war er geduldig und ließ alles über sich ergehen. Jeden Tag hat er mich mit seiner Lebenslust angesteckt. Jeden Tag hat er mich wieder und wieder begeistert. Vor einigen Wochen hat er ein wunderbares Zuhause gefunden. Mit einer blinden Freundin. Glück für Bebo, aber welch ein Glück erst für seine Menschen!!!


Bebo            Mit Ivelina, Max, Paris und Dedi (†)           Blick in die Krankenstation

Nachdem ich Stammgast in der Krankenstation wurde, lernte ich auch Pencho kennen. Ein wunderhübscher roter Rüde mit einem extrem weichen Fell. Er lag die ganze Zeit auf dem Boden rum und hob nur den Kopf, mit Anfassen war er vorsichtig. Autounfall. Gelähmt ab der Brustwirbelsäule.
Ich hatte nicht die Zeit, mir das Alles bewusst zu machen - zum Glück, sonst hätte ich nur noch geheult.


Der hübsche Pencho        Erfolge beim Bürsten (hinten Katja Markova)          Beim Schmusen

Jeden Tag schleppte ich Pencho raus, bürstete ihn zunächst nur. Dann begann ich, eine "Laien-Physiotherapie" mit ihm zu machen. Immer wieder Hintern anheben und absetzen, anheben und absetzen, usw. Ich merkte, dass er wollte. Irgendwann war es Standard: morgens und nachmittags 20 Minuten "Physio". Und Pencho wedelte mit dem Schwanz, wenn ich kam. Das allein war schon ein großer Fortschritt.
Am 20.06. stand er das erste Mal allein auf seinen vier Beinen. Am 23.06. konnte er allein aufstehen und zwei wackelige Schritte machen. Ich heulte vor Freude und Katja, Nelli, Ivelina, Didi, Ani, Mitko und Adriana gleich mit. Jetzt gibt es ein Video im Netz - Pencho läuft. Wackelig noch, aber er läuft. Es hört sich blöd an, aber das ist mein größter Stolz!


Bei dieser Masse an Hunde bleiben einem wenige im Gedächtnis. Natürlich die Kranken, weil man jeden Tag mit ihnen zu tun hat. Die Welpen, weil sie im Büro wohnen. Die besonders anhänglichen und die aus den Zwingern der eigenen Patenhunde. Das war's. Ich war entsetzt, wie gering der Wiedererkennungseffekt auf der Homepage war. Immerhin habe ich jeden einzelnen von ihnen entwurmt...

In der ganzen Zeit hat mich ein Hund konstant "verfolgt". Wenn ich in den Zwingern war, war er auch da. Unauffällig, unaufdringlich, liebevoll konsequent: Poschta. Ein Rüde dessen Schönheit und Ausstrahlung man auf Bildern nicht festhalten kann. Ich mochte ihn sehr gern, seine Art mir hinterher zu kommen, Alles in der Hoffnung auf ein paar Streicheleinheiten. Er bekam sie, und Leckerli noch obendrauf.


Der hübsche Poschta ...                                   gibt Pfote

Neben dem Büro wohnt Zlato, ein bulgarischer Hütehund, der mir locker bis zur Hüfte geht. Als ich ihn kennenlernte, hatte ich Respekt, um nicht zu sagen Angst. Er fletschte schon aus der Entfernung die Zähne, knurrte und bellte und ich war schwer beeindruckt. Ivelina sagte, er sei lammfromm, aber den Eindruck konnte sie auch mit noch so vielen Schmuseeinheiten bei mir nicht erwecken. Was soll ich sagen? Ich bestach Zlato mit Leckerli und wir wurden gute Freunde. In sein langes Fell zu fassen ist wie "Reingreifen und Wohlfühlen". Abends waren Ivelina, der Nachtdienst und ich oft noch draußen vor dem Tierheim. Dann ließen wir Zlato los. Es war immer ein wunderbarer Augenblick, ihn zu beobachten, wenn er sich frei bewegen konnte. Losgelöst von der Kette. Er spielt und freut sich seines Lebens. Er ist ein anderer Hund.


Zlato                       mit Ivelina und Zlato beim Kuscheln                       Küsschen...

So erlebte ich jeden Tag etwas Neues. Und zuhause bei Nelli waren die fünf Mini-Katzen, die immer noch ihre Menschen suchen: Sheri, Panko, Theo, Blacky und Stella. Nelli hat sie am Straßenrand halb verhungert gefunden und mit nachhause genommen. Diese Fünf haben immer Party gemacht und auch abseits vom Tierheim war immer etwas los.
Nelli und ihr Mann waren sehr sehr nett zu mir. Ich durfte mir nichts selbst kaufen, auch nicht meine tägliche Ration an Nervenschokolade, die ich dringend brauchte. Jeden Abend gab es leckeres Essen, auch wenn ich Nelli erstmal beichten musste, dass ich keine Tomaten mag... Wir sind mit ihren Hunden Gassi gegangen und dabei von oben bis unten von Mücken zerstochen worden. Nelli sprach kaum Englisch und trotzdem versuchten wir, miteinander zu reden. Es war herrlich. Ich hatte mein eigenes (riesiges) Zimmer mit Blick auf den Garten, das Bad musste ich mir nur mit den fünf Minis teilen. Und Nelli war immer für mich da.


Theo, Blacky, Panko, Sheri, Stella...                     ... suchen ihre Menschen!

Jeden Tag sind wir zusammen ins Tierheim gefahren. Nach wenigen Tagen schon sagte Katja, die Leiterin des Tierheims, dass ich auf eigene Faust arbeiten solle. Ich würde schon sehen, wo was zu tun ist. So fand mein Tag einen gewissen eigenen Rhythmus. Erst mithelfen, die Kranken zu versorgen, dann ein paar Hunde bürsten. Anschließend Physiotherapie mit Pencho. Gegen eins gab es Essen. Meist Suppata (Joghurt mit Gewürzen und Gurke), dazu Brot. Ich spendierte aufgrund der Hitze öfter mal ein Eis. So saßen wir zusammen im Büro, umgeben von Hunden und Katzen und ich kann kein anderes Wort als ‚toll' dafür finden. Ich habe mich so wohl gefühlt, so willkommen, so dazugehörig, obwohl ich das nicht war.


Mittagessen im Büro                            Das Büro

Danach Hunde baden, bei Kastrationen oder anderen OPs soweit möglich helfen oder zumindest zugucken und was lernen. Dann wieder Pencho. Zwischendrin mit den Welpen kuscheln, irrsinnig viele Bilder machen und mit den einen oder anderen Gassigehen.
Gassigehen ist in Bulgarien nicht so verbreitet wie hier in Deutschland. Während wir im Wiesbadener Tierheim mindestens 40 ehrenamtliche Gassigeher sind, waren es in Rousse geschätzte zwei. So übte ich mit Mazutka (vermittelt, jetzt Mia) und Hope Leinenführigkeit, ging mit Max spazieren und mit Slepochka nur vor die Tür. Weit laufen kann man dort nicht. Entweder man kommt an die Straße oder man landet auf Polizeigelände.
Slepochka war schon mein Liebling, da kannte ich sie nur von Bildern. Eine blinde Hündin (wahrscheinlich erblindet durch giftige Reinigungsmitteln), zehn Jahre alt. Ich ging jeden Tag mit ihr raus. Bürstete sie. Sie ist wunderschön. Und sie ist der einzige Hund, den ich kenne (und ich kenne viele), der wirklich eine richtige Stupsnase hat. Eines Nachmittags saß ich draußen mit ihr und schmuste, als ich an ihrem Bauch zwei Tumore entdeckte. Verschieblich, gut abgrenzbar. Das spricht bei uns Humanmedizinern für etwas Gutartiges. Aber weiß man es? Nein. Ich bekam Angst. Sie ist alt. Und blind. Ihre Vermittlungschancen stehen schlecht. Sie wohnt im alten Büro. Ob es da Heizung gibt? Ja, hat mir Katja jetzt geschrieben. Aber trotzdem: jeden Abend kommt ihr Bild in mir hoch und frage mich, ob sie den nächsten Winter überleben wird...


Slepochka mit Luca beim Schmusen              Keinen Hunger- lieber Streicheln!

Manchmal oder sogar oft denke ich, welch wunderschöne Hunde in Rousse sind. Ganz anders als der Durchschnittslabrador vom Züchter nebenan. Hunde mit Charakter, Hunde mit Ausstrahlung. Hunde, die sozialisiert sind. Hunde, die dankbar sind. Hunde, die einfach wunderbar und einzigartig sind. Einsame Seelen, die ein Zuhause suchen. Während meiner Zeit in Rousse ist mir eins klar geworden: ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, einen Hund vom Züchter zu nehmen. Ich könnte auch nie züchten. Allein die Tatsache, dass man als Züchter die Welpen weggibt, und vielleicht nicht weiß, was aus den Hunden wird, macht die Sache für mich unmöglich. Dazu verliere ich mein Herz zu sehr an diese Tiere.

In dem Tierheim steckt sehr viel Arbeit. Bürokratie, Verhandlungen mit den Bürgermeistern der umliegenden Dörfer wegen Kastrationen, ein ständiger Kampf gegen Grausamkeit, ein ständiger Versuch der Aufklärung. Bulgaren kommen ins Tierheim, geben Straßenhunde ab. Das ist ein Fortschritt. V.a. wenn die Alternative der Isolator in Rousse ist... Hunde und Katzen, am Wegrand oder in Kartons gefunden, werden gepflegt, medizinisch versorgt und aufgepeppelt. Straßenhunde werden kastriert und in ihr Rudel zurückgebracht. Als ich das zum ersten Mal bei einem jungen Hund miterlebte, musste ich durchaus schlucken. So ein kleiner Hund, zurück auf die Straße. So was bin ich nicht gewöhnt, weil es hier keine Straßenhunde gibt. Aber das ist die einzige Möglichkeit eines sinnvollen Tierschutzes.
Katja hat dabei sicherlich keinen einfachen Job. Jeden Tag wieder neues Leid zu sehen, jeden Tag einen scheinbar nicht zu gewinnenden Kampf gegen Brutalität und Intoleranz zu führen. Und das allein auf weiter Flur; die Widerstände sind überall und in jeder Ecke. Zweimal war ich mit bei einem Bürgermeister, teils wird man nicht einmal vorgelassen. Es ist ein harter Kampf, aber irgendjemand muss ihn im Namen der Tiere kämpfen. Zum Glück gibt es solche Leute! Die den Mut, das Durchhaltevermögen, aber vor allem die Kraft dazu haben. Ich ziehe meinen Hut vor den Leistungen...!

Mein Abschied war schwer. Mit vier Hunden bin ich ausgeflogen. Alles lief vollkomen problemlos. Kati und Nelli haben mich zum Flughafen nach Sofia gebracht. Es sind viele Tränen geflossen und teils fließen sie immer noch. Auch wenn ich nur zwei Wochen da war, die Leute fehlen mir. Sie haben mich so herzlich aufgenommen und sich so sehr um mich gekümmert, dass ich gleich wusste, dass ich wieder dahin will. Katja und Ivelina mailen regelmäßig und ich hoffe, das bleibt so. Und zum Glück gibt es Skype!


Mit Katja (li) und Nelli (re) am Flughafen                         Verladung der Hundeboxen


Zurück in Deutschland begreift man erst schwer, dass es wieder eine andere Welt ist. Man kehrt in die Wohnung zurück, geht wieder arbeiten, der Alltag kehrt ein. Man denkt nicht mehr soviel zurück, hat andere Dinge im Kopf. Man fragt sich aber oft, wieso die Leute hier so wenig von dem Schicksal der Hund in Ost- und auch in Südeuropa wissen. Sind wir nicht alle Europa??

Alles in Allem war es für mich eine sehr schöne und eindrucksreiche Zeit. Nächstes Jahr plane ich, wieder für zwei Wochen nach Rousse zu fliegen. Und die Vorfreude wächst jetzt schon...

Es ist nicht einfach, einen solchen Bericht zu schreiben. Die Eindrücke sind so schwer in Worte zufassen. Auch die tolle Mentalität der Menschen, die mich so freundlich aufgenommen haben. So viele Hunde, so viele Geschichten. Ich kann nicht alle erwähnen, und doch würde ich das gern. Die Auswahl ist schwer, ich möchte keinen bevorzugen. Wenn ich sehe, dass ein Hund aus Rousse, den ich kenne, reserviert oder gar vermittelt ist, dann freue mich wie eine Schneekönigin. Ich freue mich unendlich für Bebo. Jetzt ist der wunderbare Max reserviert. Ich könnte heulen vor Glück. Diese Hunde zu kennen und erlebt zuhaben, war einfach nur toll. Auch wenn man sein Herz an den einen oder anderen etwas mehr verliert, ALLE diese Hunde und Katzen haben ein liebevolles Zuhause so sehr verdient, keiner mehr und keiner weniger!!!

Auch wenn die Erinnerung irgendwann einmal langsam verblassen wird, die Schicksale der Hunde bleiben im Gedächtnis und vor Allem im Herzen.

Seelen auf der Suche nach einem Zuhause.
Seelen auf der Suche nach Liebe.
Seelen auf der Suche nach IHREN Menschen.
Wo seid Ihr nur?

©Julia Becht

Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen,
werden Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.

 

 

 

 

 

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