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Mischo |
15.4.2006
- Der Isolator Losenetz in
Sofia
"Mischo lebt seit vielen Jahren hier;
angeblich soll er bei der
Inbetriebnahme des Isolators
vor 14 Jahren als kleiner
Welpe schon da gewesen sein.
Welcher glückliche Umstand
ihm das Leben rettete weiß
niemand mehr. Aber seither
ist er das Maskottchen der
Wachleute, die in einem Kabuff
neben dem Eingang noch immer
ihren Dienst versehen.
Er ist ein alter Bursche,
mit dickem, verzotteltem Fell
- ein Bobtail? - der schon
viel gesehen hat - und als
ich ihn betrachte frage ich
mich, was er alles gesehen
hat.
Die Lkw, die wöchentlich
diesen Ort verlassen haben,
beladen mit den Leichen seiner
Artgenossen? Die Transporter,
die täglich zum Tor hereinkamen,
verängstigte Hunde, die
mit Schaufeln und Stangen
aus dem Fond gestoßen,
wimmernde Welpen, die aus
einem Meter Höhe heruntergeworfen
wurden?
Was hat er gehört in
all diesen Jahren? Schmerzensschreie,
Todesschreie, die Schreie
unerträglicher Qual und
Angst, wenn diese gottverlassenen
Sadisten dort in diesem Gebäude,
hinter diesen Mauern, ihre
Massaker verübt haben?
Ich durchfurche den schmutzigen,
strubbeligen Pelz, in welchem
vermutlich dreißig Millionen
Flöhe hausen; er reckt
mir brummend seinen dicken
Kopf entgegen und ich sehe
in seine alten guten Augen,
die alles gesehen haben in
diesen 14 Jahren, kraule seine
plüschigen Ohren, die
alles gehört haben in
diesen 14 Jahren; und für
einen Augenblick hilft mir
auch die Sonne nicht mehr,
weil ich sie nicht mehr sehen
kann, solange ich die Welt
mit seinen Augen sehe. Und
weil diese Welt so entsetzlich
dunkel und so voller Angst
ist." |

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Gestern,
am 22.2.09, ist er gestorben,
fast genau drei Jahre nachdem
aus der schlimmsten Tötungsstation
des Landes, aus dem Isolator
Losenetz, das Tierheim Nadeshda-
Hoffnung - wurde. Ich hatte
ihm versprochen, dass es hell
werden würde - für
ihn, für seine Artgenossen
und für seine Gefährtin
Dantsche, die nun Maika Sofia
hieß, die Mutter seiner
unzähligen Kinder, von
denen man nicht weiß,
was aus ihnen geworden ist -
bis auf den letzten Wurf, der
gerade zwei Wochen zuvor auf
die Welt gekommen war. Er war
bald nicht mehr allein auf dem
großen Gelände; dass
es voll und immer voller wurde
mit lärmenden Hunden -
damit hat er sich arrangiert,
wie er sich mit allem in seinem
langen Leben abgefunden hat,
in Würde und Gelassenheit.
Er ist etwa 17 Jahre alt geworden
und er hat den Isolator Losenetz
überlebt -14 Jahre lang.
Auf Wiedersehen Mischo. Du warst
ein König an deinem Platz
- an diesem Platz.
Und du warst es auch an dem
in meinem Herzen.
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Mischo aus
Losenetz
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Mischo
hat reichlich Grund zum Schimpfen;
jahrelang war er der Alleinherrscher
auf dem Gelände des ehemaligen
Isolators in Losenetz. Jetzt heißt
das Ganze "Nadeshda", und
Dutzende von Konkurrenten tummeln
sich auf dem Platz, der früher
sein alleiniges Revier war, und stören
seine Ruhe, die der alte Bursche doch
so dringend braucht. Obendrein ist
da noch der Veteran Bobby aufgetaucht,
fast so alt wie er, der ihm seinen
Platz streitig machen will, nachdem
er wieder gesund und munter ist -
daher sind die beiden jetzt separat
untergebracht. Das übrige junge
Gemüse lässt Mischo brummend
gewährend, vielleicht in der
Hoffnung auf bessere - ruhigere- Zeiten.
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| Für Mischo gibt es Paten und zwar ist es Familie
Henninger aus 61440 Oberursel. |
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Deutsch-Bulgarische Straßentier-Nothilfe
e.V., Frankfurter Str. 105, 35315 Homberg/Ohm
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