Protest gegen erneutes Töten in Rousse
 
Bitte lesen Sie den Brief einer Jurastudentin über das Verhalten des Bürgermeisters von Rousse an den bulgarischen Fernsehsender bTV für die Sendung "Ehrlich und Persönlich", die unserer Sendung vom ZDF "Volle Kanne" entspricht.
Dieser Brief ist an den 2. bulgarischen Fernsehsender bTV von Eliza Ivanova gesendet worden.

Übersetzung aus dem Bulgarischen:

Ich grüße Sie "Ehrlich und Persönlich"

Ich schreibe Ihnen aus der Geburtsstadt Ihrer wunderbaren Moderatorin. Ich bin 27 Jahre alt, Studentin der Rechtswissenschaften an der Universität in Rousse und erlaube mir, Ihre kostbare Zeit in Anspruch zu nehmen, damit ich Ihre Aufmerksamkeit auf ein Problem richten kann, das im letzten Jahr besonders unerträglich geworden ist. Es handelt sich um die Handhabung der herrenlosen Hunde in unserer Stadt. Bevor Sie enttäuscht sind, dass man Sie mit einem Thema beschäftigt, das schon mehrmals diskutiert wurde, lesen Sie bitte diesen Brief bis zu Ende.
Trotzt der zahlreichen Versprechen und angeblicher Bereitschaft, aber auf der anderen Seite Unverständnis für die Anwendung von bereits anerkannten und effektiven Methoden für die Reduzierung der Population der herrenlosen Hunde durch das Verfahren der Kastration, Impfung und Wiederfreilassung, arbeitet die Fabrik für Kadaver wieder in dem neuen Gemeindeisolator.
Unsere Gemeinde hat sich allgemein sehr "verändert". Die EU soll glauben, dass der selbe Tierarzt, der Hunderte von Hunden in seiner 10-jährigen ergebnislosen und schändlichen Praxis getötet hat, soll jetzt neugeboren, ein neuer Mensch mit europäischen Methoden und Überzeugungen sein?! Es ist sehr schwierig zu glauben, dass in einem solchen unmenschlichen Wesen sich ein neuer Mensch geformt hat. Jetzt, da unsere geträumte Mitgliedschaft in der EU schon eine Tatsache ist, soll er und die Gemeindeverwaltung sich verändert - neu, menschlich und anders sein?!
Der Tierarzt, eine Schande für diesen wunderbaren Beruf, bekennt sich jetzt zu einer "neuen Philosophie". Er lässt die Tiere nicht mehr angehäuft in einer engen Zelle vor Hunger und Durst und sich währenddessen zum Skelett verwandeln, auf den Tod als Erlösung warten, sondern jetzt ist er "mitleidig, empfindlich und verantwortlich" - eben ein echter Europäer?!
Wenn die Deutschen jetzt nach Rousse wie im Jahr 2003 kommen würden, so würden sie nicht zittern und erstarren vor Entsetzen, bis zum nächsten Busch laufen, um dort zu erbrechen, sie werden nicht lebendige Kadaver von Hunden hinaustragen müssen, die nicht auf eigenen Beinen stehen, um die vergessenen Sonnenstrahlen sehen zu können, sondern sie haben sich ja "verändert", er und die Gemeinde, die ihn unterstützt. Jetzt töten sie anders, "menschlich, mit Rührung, Wehmut und Mitleid". Jetzt gibt es keinen Hunger und Durst - die Hunde haben ein "schmackhaftes" Mittagessen - gemischte verschiedene Abfälle von dem nahen Altersheim, alten Zwieback mit Wasser, das Ganze gemischt zu einer "leckeren" Jauche. Es ist kein Elend und "Privileg" in Extrementen zu liegen, aber jetzt haben sie den Komfort auf schlammigen Zementboden wie "glückliche" Bewohner ein erfrischendes Winterbad zu nehmen. Jetzt ist die Angst und das Entsetzen vor dem bevorstehenden Tod von stiller und ergebener Erwartung ersetzt, die von Zeit zu Zeit von einem Strahl Hoffnung bei der Ankunft einzelner ihren Hund suchenden Menschen und wieder gelöscht, wenn die Tür zu gemacht wird.
Was kann man dazu sagen: "Grüße Dich Europa" oder "Gruß an Dich europäisches Rousse"?!
Wenn es stimmt, dass das Niveau einer Nation nach ihrem Verhalten den Kindern, alten Menschen und Tieren gegenüber beurteilt wird, so gehen wir mit gigantischen Schritten "vorwärts".
In unserer Stadt bekommen keine Hilfe, Achtung und Dankbarkeit Leute, die das verdienen für ihre anstrengende Arbeit. Schon seit drei Jahren empfangen Hunde durch die Mitarbeiter des Vereins "Deutsch-Bulgarische Straßentier-Nothilfe e.V." so viel Hilfe, Schutz, Fürsorge und mehr Liebe, Mitleid und Sorge auf einer kleinen Fläche, als viele von uns für ihr ganzes Leben. An dem Platz des ehemaligen Isolators ist jetzt ein Tierheim, in dem junge Leute mit großem Herzen unseren vierbeinigen Waisenseelen helfen und sich freuen für jedes gerettete und leiden für jedes verlorene Leben. "Wenn Du ein Leben rettest, rettest Du die ganze Welt" - Verbeugung und aufrichtige Verehrung sowie Annerkennung für ihre Arbeit und Hingabe. Ich kann meine Hochachtung vor der unerschöpflichen Energie nicht verbergen, mit der diese Leute schon drei Jahre auf jede mögliche Art und Weise gegen die verknöcherten und wilden Methoden unserer Verwaltung kämpfen. Es tut mir leid, dass Rousse, die fünftgrößte Stadt Bulgariens, die schon seit langer Zeit europäische Wurzeln hat, so zurück geblieben ist bei der Lösung dieses Problems.
Ich weiß nicht, wie ich Sie überzeugen kann, dass man dieses nicht vergessen darf, dass Menschen, die die hoffnungsvollen Augen der Tiere sehen, nicht vergessen und sich weniger damit abfinden können. Dieser Schandfleck auf unserer Stadt kann und darf nicht bleiben! Ich hoffe ehrlich, dass wenn Sie meinen Brief gelesen haben, keine Gleichgültigkeit zeigen und ich bete heimlich, dass Sie einen Weg finden, uns zu helfen. Weder ich, noch ein anderer normaler Mensch kann nicht gleichgültig in den jetzigen Isolator eintreten und nachher einfach hinausgehen, wissend, was dort passieren wird.
Ich bringe meinen Brief zu Ende in der Hoffnung, dass man eine Lösung finden wird, dieses Drama zu beenden und zitiere einen Teil aus dem wunderbaren Werk von Evgeni Evtuschenko :

DIE NATUR MACHT KEINEN FEHLER BEI DER WIEDERGEBURT VON SEELEN!
AUS FURCHTSAMEN WERDEN FEIGLINGE,
DIE SCHUFTE WERDEN ZU LÄUSEN
ICH HALTE DICH MIT MEINEN HÄNDEN UND UMARME DICH TROSTVOLL

NUR DIE GUTE SEELE VERWANDELT SICH IN DIE SEELE ENES HUNDES !!!

Rousse, d. 19.01.2007
Unterschrift: unleserlich
/Eliza Ivanova/

Der Brief unserer Tierfreundin Frau Ostmann an den Bürgermeister von Rousse:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

was bewegt Sie die Straßenhunde von Rousse zu töten? Ist es nicht vielmehr und auch nachweislich so, dass erst ein langangelegtes Kastrationsprogramm dafür Sorge tragen kann und vor allem auch wird, die Zahl der Hunde zu verringern! Außerdem wird dies schon seit Ende 2003 in Rouuse praktiziert. Nun wollen Sie eine unglaubliche Summe dafür zur Vefügung stellen, die Tiere zu töten. Sie tun weder ihrer Stadt noch dem Land einen Gefallen. Man wird weiterhin über Bulgarien sprechen als einem Land in dem die Hunde teilweise unter grausamen Bedingungen getötet werden, was unter anderem auch Touristen bewegen wird, nicht nach Bulgarien zu reisen. Bulgarien ist gerade auf dem Weg sich in der EU zu etablieren und sich als weltoffenes Land zu präsentieren, das sich von seiner Vergangenheit lösen will. Dazu gehört auch der respektvolle Umgang mit anderen Lebewesen, sprich den Tieren. Sie bringen Bulgarien nicht nach vorn, sondern verfallen in schlimmste Zeiten zurück, wo es an der Tagesordnung war Hunde grausam zu töten, und schaden somit dem Ansehen des Landes. Es wird niemand sagen, der Bürgermeister von Rousse ist hierfür verantwortlich, nein es wird heißen: Bulgarien ist ein grausames Land, unfähig sich der "zivilisierten" Welt anzuschließen wozu nunmal auch Tierschutz gehört und keine Vernichtung von Tieren! Wenn Sie schon kein wirkliches Mitgefühl für Tiere haben, so sollten sie doch an die poliltischen Auswirkungen denken, nämlich jetzt nachem Ihr Land in der EU ist, eine horrende Summe für definitiv nichts als die Tötung von Straßenhunden auszugeben, wo dieses Geld überall anders besser gebraucht wird oder eben politisch "werbewirksam" in den Tierschutz, sprich in das bereits bestehende Kastrationszentrum der Deutsch-Bulgarischen Straßentiernothilfe e.V. zu investieren. Dies würde Ihrem Ansehen sicher mehr nutzen, als Ihr bereits eingeleitetes Tun. Somit fordere ich Sie auf, DENKEN Sie UM für die Politik, für Ihr Land und vor allem für die Hunde!!!!!!!!!

Hochachtungsvoll
Barbara Ostmann
(19.1.2007)

Der Brief unserer Tierfreundin Frau Trabelsi an den Bürgermeister von Rousse:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

mit großem Entsetzen habe ich die Nachricht von dem schrecklichen Vorhaben der Stadt Rousse , die Straßenhunde erneut einzufangen und in einem Isolator töten zu lassen,
vernommen.
Dies alles um 30.000 Lewa zu verbrauchen, anstatt sie dafür zu verwenden, das Leben dieser armen Kreaturen zu schützen und zu verbessern, indem man die Menschen unterstützt, die sich derer annehmen und die seit Jahren für eine Verbesserung des Tierschutzes in Bulgarien
kämpfen.
Jetzt, nachdem Bulgarien nun endlich in der EU ist, sollten sich die Verantwortlichen des Landes auch wie moderne, zivilisierte und fortschrittliche Bürger benehmen und nicht in die Rituale der Steinzeit zurückfallen.
Ich habe eine sehr freundliche und Tierliebe Nachbarin, die aus Bulgarien stammt. Sie hat mir soviel von ihrer Heimat erzählt und schon so viele schöne Bilder gezeigt, dass ich meinen Sommerurlaub heuer in Bulgarien verbringen wollte. Ich habe mir auch schon Prospekte aus dem Reisebüro geholt. Doch nun habe ich von dem Vorhaben der Stadt Rousse gehört, und meine Pläne sofort revidiert und alle meine „Vorurteile“ gegen dieses eigentlich wunderschöne Land, sind auf`s Neue wieder in mir erwacht.
Schon der große Mahatma Ghandi hat gesagt: Die Größe einer Nation erkennt man an ihrem Umgang mit ihren Tieren.
Ich kenne sehr viele Menschen, die Bulgarien und auch Rumänien sehr gerne besuchen würden, allein der Umstand, wie in diesen beiden Ländern mit den Tieren umgegangen wird, hält sie davon ab, dies zu tun und kaum einer spricht anders als mit Verachtung von den Regierungen dieser beiden Länder, in denen vieles im Argen liegt und am allermeisten in dem fast fehlenden Tierschutz.
Glauben Sie mir, Sie tun Ihrem Land keinen Gefallen, wenn Sie nicht helfen, diese Schande für Ihr Land zu verhindern.

Ich hoffe auf Ihre Menschlichkeit und Ihr Mitgefühl und grüße Sie aus Deutschland

Annemarie Trabelsi
(19.1.2007)
>> Offener Brief an den Bürgermeister der Stadt Rousse Boshidar Jotov