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Eigentlich müsste man das alles selbst
gesehen haben, denn Beschreibungen und Fotos
können nur einen äußerst
unzureichenden Eindruck vom Zustand der
Anlage vermitteln.
Der Erste Vorsitzende und die Pressesprecherin
waren 12 Tage, bzw. eine Woche vor Ort,
um die notwendigsten ersten Dinge anzuschieben.
Aber eigentlich wusste man nicht, wo man
anfangen sollte. Es gab keine Steckdosen
mehr in der Wand, die sanitären Anlagen
waren mehr oder weniger herausgerissen,
die Heizkörper entfernt oder unbrauchbar,
im sogenannten OP-Raum fällt die Decke
herunter, der PVC-Belag in den beiden Räumen,
die offenbar als Büro und Lager gedient
haben, ist voller Löcher und eine einzige
Stolperfalle, das Dach ist undicht, im Außengelände
liegen Müll und Unrat und die inneren
Zwinger sind einfach nur haarsträubend.
Die Bezeichnung "Verliese" im
schlimmsten Sinne wäre hier weitaus
angebrachter. Die meisten Käfige sind
nicht größer als 0,65 m x 1,45
m, einige wenige doppelt so breit, etwa
1,20 hoch gemauert, darüber vergittert.
Der Gestank ist, auch nach zwei Wochen regelmäßigen
Putzens unbeschreiblich, denn er hat sich
buchstäblich in den nackten Beton hineingefressen.
Alle Zwinger müssen herausgerissen
werden, die Innenwände verputzt und
begradigt, der Estrich komplett neu gegossen
werden, denn vorher kann eine Verfliesung,
für die wir ja ein großherziges
Angebot haben, keinesfalls vorgenommen werden.
Einen Kühlschrank für die Impfstoffe
des Tierarztes und eine Waschmaschine haben
wir bereits in dieser Woche angeschafft,
ebenso zwei Dutzend Paletten organisiert,
damit die Hunde nicht weiterhin auf dem
nackten Beton liegen müssen, aber auch
Gebrauchsgegenstände, vom Telefon bis
zur Haushaltsschere, wurden gekauft. Das
Ehepaar, dass jetzt Tag und Nacht bei den
Hunden ist, hat sich im ehemaligen Lagerraum
notdürftig eingerichtet, zusammen mit
etwa acht jungen Kätzchen, die sie
gerettet haben, und die ebenfalls ein kleines,
sicher umzäuntes Gehege brauchen. Auch
für diese beiden Menschen, die ein
eigenes, hartes Schicksal hinter sich haben,
fühlen wir uns verantwortlich.
Die Hündin, die kurz vor der Übernahme
von Losenetz ihre Welpen geboren hat - es
sind übrigens sieben und nicht fünf
- haben wir Maika Sofia genannt. Mutter
Sofia.
Sie lebt schon seit Jahren, zusammen mit
ihrem Gefährten Mischo, auf dem Gelände
und hat offenbar regelmäßig zweimal
im Jahr für Welpennachwuchs gesorgt
- zu welchem Zweck, darüber möchten
wir gar nicht nachdenken. Diese Babys hier
werden ihre letzten sein und sie werden
leben.
Im Außenbereich haben wir jetzt zunächst
zwei provisorische Gehege eingerichtet,
damit die Tiere aus diesem feuchten Kerker,
der von Krankheitskeimen wahrscheinlich
nur so wimmelt, herauskommen. Bei 54 Hunden,
alle noch unkastriert, ist dies zur Zeit
das größte Problem, das schnellstens
gelöst werden muss. Wir müssen
dringend zusätzliche Ausläufe
einzäunen und wir brauchen Hundehütten,
die wetterfest und isoliert sein müssen.
Zwei Prototypen, die denen entsprechen,
die sich in unseren anderen Tierheimen befinden,
haben wir inzwischen anfertigen lassen und
bereits zu drei anderen, die aber weniger
geeignet sind, im Gelände installiert.
Die Hütten haben eine Größe
von 0,80m x 0,60 m und bieten einem großen
oder zwei bis drei kleineren Hunden Platz.
Sie sind sehr stabil und so schwer, dass
drei Männer ziemlich geschnauft haben,
um sie an Ort und Stelle zu hieven. Das
preisgünstigere Exemplar, für
das wir uns entschieden haben, kostet immer
noch 150 Lewa, das sind 77 Euro, ca. 50
Hütten werden benötigt, sodass
wir also allein für die Hütten
3850 Euro aufbringen müssen. Über
die Umzäunung der Ausläufe haben
wir noch kein Preisangebot, obwohl das Gelände
bereits vermessen wurde, aber die Preise
für die Hütten lassen schon erkennen,
dass wir harten Zeiten entgegen sehen müssen.
Es geht ja hierbei nicht nur um Zaunmaterial,
sondern es müssen auch Türen eingebaut
werden, von dem übrigen Material, wie
Pfosten, Spanndrähte, etc. und vor
allem von der Arbeitsleistung gar nicht
erst zu reden. Das Gelände ist uneben
und zum Teil betoniert, d.h. es müssen
Profis ans Werk, die bezahlt werden wollen.
Wir hoffen inständig auf Ihre Hilfe,
damit wir schnellstens weitermachen können.
Wir wollen den Namen aller Spender auf einer
Tafel an der Außenwand anbringen und
wer die Kosten einer Hütte übernimmt,
wird seinen Namen auf "seiner"
Hütte finden.
Eine andere Tafel wurde bereits fertig
gestellt. Es ist eine Gedenktafel für
die ermordeten Hunde von Losenetz. Vielleicht
war dies nicht die allerdringlichste Aktion,
die ins Werk gesetzt werden musste. Aber
für uns war sie wichtig, denn es werden
die Seelen dieser Hunde sein, die unsere
weitere Arbeit begleiten, und es soll Segen
auf dieser Arbeit ruhen.

Und noch etwas wurde getan: am 20. April
holten wir eine kleine Hündin mit drei
Welpen aus dem Umland von Sofia. Sie hatte,
zusammen mit neun anderen Hunden, bei einem
Obdachlosen gelebt, in einer winzigen Kate,
in der er im Februar, bei bitterer Kälte
erfroren war. Seither streunen die Hunde
hilflos umher, bewachen nach wie vor das
Domizil und warten auf ihren Herrn, verfolgt
und vertrieben von den "freundlichen"
Nachbarn. Eine barmherzige Seele, die sich
ihrer annahm, aber selber nahezu mittellos
ist, bat uns durch unsere Bevollmächtigte
in Sofia, Velika Lazarova, um Hilfe, nachdem
bereits zwei Hunde vergiftet worden und
zwei der fünf Welpen der Hündin
verschwunden waren. Weitere zwei Tiere hatte
man schon vor kurzem einfangen und nach
Losenetz bringen können, wo sie langsam
Vertrauen fassen. Auch die verbliebenen
fünf wollen wir holen, sobald es irgend
möglich ist, sie unterzubringen, d.
h. sobald wir neue Ausläufe haben.
Die kleine Mutter wurde jetzt in einem zurückgelassenen
Container auf dem Gelände untergebracht.
Zwei der Welpen sind in bester Verfassung,
das dritte war in bedenklichem Zustand und
wurde gleich am nächsten Tag operiert.
Es ist ein kleiner Rüde, hat die Operation,
die gerade noch rechtzeitig erfolgte, gut
überstanden und ist auf dem Wege der
Besserung. Er hat jetzt den Namen "Shivko"
erhalten, das bedeutet "Er soll leben."
Er wird leben.
Ihre Mutter ist eine bildschöne, liebenswerte
und sehr anhängliche Hündin, für
die wir, zu gegebener Zeit, sehr gerne ein
liebevolles Zuhause finden möchten.
Sie hat es mehr als verdient.
Wir haben sie Nadeshda genannt, der Name,
den auch dieses Tierheim tragen soll.
Denn Nadeshda ist der bulgarische Name für
"Hoffnung".

Das Tor ist offen...

... und nicht nur unser OP-Wagen kommt hinein,
sondern jeder der hinein will. Einige Bürger
haben bereits nach ihren verschollenen Vierbeinern
gesucht.

Hier wird man bereits erwartet und begrüßt.
Sie haben alle schon Namen. Die Dame rechtsaußen
heißt bezeichnenderweise "Zicke",
weil sie sich, ohne heiser zu werden oder
im geringsten zu schwächeln, unablässig
mitteilen muss. Es gibt aber auch etliche
kranke und behinderte Hunde unter den Überlebenden,
für die ein weiterer Aufenthalt in
den feuchten Zwingern tödlich wäre.

Für diesen Hüttentyp haben wir
uns entschieden. Pro Stück werden dafür
150 Lewa, also 77,00 Euro benötigt.
Die kleinere Hütte hinten hat schon
einen Bewohner gefunden.

Die eine Hälfte des OP-Raumes. Der
neue Kühlschrank für die Impfstoffe
ist dort schon in Betrieb. Der Rest ist
eine Katastrophe.
Die andere Hälfte sieht nicht besser
aus, herabhängende Kabel, defekte Rohre.
Hier kann einfach noch nicht kastriert werden.

Hier war vermutlich einmal eine Toilette
installiert. Mit Saubermachen ist es hier
wohl nicht getan.

Nadeshda
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23.4.2006
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