Als unser Verein im April 06 die verlassene
Station Losenetz übernahm, taten wir
dies, obgleich 30 km außerhalb von
Sofia eine neue, größere Station
entstanden war, in der mutlosere Geister
als wir lediglich eine weitere, ungleich
schlimmere Institution zur massenhaften
Tötung der Straßenhunde gesehen
haben, und somit davon ausgingen dass die
abscheuliche Massenvernichtung der unschuldigen
Tiere dort ungebremst fortgesetzt werden
würde.
Wir haben es nicht so gesehen.
Wir hatten Hoffnung.
Tatsächlich wurden zwar die Tötungen
für kurze Zeit wieder aufgenommen,
jedoch in weitaus geringerem Maße
als zuvor - was wir definitiv von den sog.
Mediatoren wissen, jungen Studenten, die
es auf sich genommen hatten, ständig
im Isolator vor Ort zu sein und zu kontrollieren,
dass die Richtlinien zur Euthanasie eingehalten
wurden und die auf diese Weise die jahrelangen,
entsetzlichen Massaker, zum Stehen gebracht
hatten.
Wurden jahrzehntelang an die 300 Hunde wöchentlich
bestialisch umgebracht, so bewegten sich
die Zahlen nunmehr allenfalls im Zehnerbereich
- und in der Regel handelte es sich um kranke
Tiere oder solche, die von Bürgern
als Gefährdung bezeichnet und angezeigt
worden waren. (Was diese natürlich
keinesfalls tatsächlich gewesen sein
müssen.)
Dennoch: Seslavzi war kein neues Losenetz.
Als der Veterinär Dr. Naydenov im Sommer
06 diese Station übernahm wendete sich
das Blatt, denn er lehnte die Tötungen
der Streuner entschieden ab und verwies
darauf, dass einzig umfassende Kastrationen,
sowie eine eindeutige Gesetzgebung, die
das Aussetzen von Tieren strafbar macht,
das Problem zu lösen imstande seien.
Allerdings fehlten ihm sowohl die gesetzliche
Grundlage als auch die finanziellen Mittel,
diese seine Vorstellungen in seinem Isolator
in Seslavzi umzusetzen.
Als sich der Erste Vorsitzende unseres Vereins
im Oktober, trotz eigener angespannter Finanzlage
- denn die Sanierung von Losenetz hatte
uns der letzten Reserven beraubt - entschloss,
die Kosten der Kastrationen in Seslavzi
zu übernehmen und eine Mitarbeiterin
als Kontrollperson dorthin abzuordnen, lag
dem die Überlegung zugrunde, dass dieser
Veterinär außer Bewunderung auch
volle Unterstützung brauchte, denn
genau genommen handelte er sozusagen illegal.
Das Tierschutzgesetz das allein ihm eine
rechtliche Handhabe gegeben hätte,
ist noch immer nicht verabschiedet - auch
wenn dies schon seit Jahren für den
"nächsten Monat" verkündet
wird.
Inzwischen hat es immerhin die erste Lesung
passiert, es wird aber nach wie vor von
den türkisch-kommunistischen Parteien,
die bislang das Parlament dominieren, blockiert.
Die fortschrittlichen Kräfte unter
dem Sofioter Bürgermeister Borisov
hoffen auf die nächste Parlamentswahl.
Wir hoffen auch.
Die Tierhilfe Süden beteiligte sich
ebenfalls an der Hilfe für Seslavzi
und somit haben wir erreicht, dass inzwischen
über 2000 Hunde dort kastriert werden
konnten.
Dies ist ein Anfang, doch wir sind hoffnungsvoll
dass sich dieses Projekt weiter entwickeln
und weitere Kreise in ganz Bulgarien ziehen
wird - bis zum Ende aller Isolatoren!
Wir sind stolz und glücklich, unseren
Teil dazu beigetragen zu haben.
Die Station Seslavzi ist inzwischen mit
einer webcam 24 Stunden online. Jeder Bürger
kann sich ansehen, was dort geschieht; das
ist ein unglaubliches Novum!
http://www.ecoravnovesie.com/ (dort ganz nach unten scrollen und auf
den unterstrichenen Link - WEB KAMEPA klicken)
Als die Honoratioren der Stadt am 23.Mai
07 die Station Nadeshda - vormals Tötungsstation
Losenetz - besuchten, sprach Bürgermeister
Borisov davon, dass "ein Ort der
jahrelangen Schande nun zu einem Ort der
Humanität geworden sei".
Wohl niemand kann sich dem positiven Eindruck
entziehen, der sich hier nun bietet - und
ganz sicher niemand der diese Stätte
des Grauens noch vor einem Jahr gesehen
hat!
Die lindgrünen Wände harmonieren
mit den gesponserten meerblauen Fliesen
der Firma Topgres; die blauen Zäune
umfassen großzügige Ausläufe
und gestatten Besuchern ohne Pfotentätovierungen
auf ihrer Kleidung den ungehinderten Zugang.
Im Inneren befinden sich freundliche und
große Zwinger und Operations- sowie
Sanitärbereich genügen allen Anforderungen.
Das Gebäude hat einen freundlichen
hellblauen Anstrich erhalten, und wenn auch
durch die heftigen Regenfälle der letzten
Wochen im hinteren Anbau landunter war,
konnten die nassen Tiere doch ins trockene
Haus umziehen.
Neben der Mahntafel für die ermordeten
Hunde, die schon vor einem Jahr erstellt
worden war, zeigen Fotos an den Wänden
doch die damalige grausame Realität,
die nicht in Vergessenheit geraten soll
- niemals!
Neben der Prominenz gab es noch einen geladenen
Besucher: Ein Priester segnete das Projekt
und auch die Seelen der unschuldigen Hunde,
die hier in 14 Jahren grausam zugrunde gegangen
sind.
Wir glauben, dass sie nun Frieden finden
werden.
Losenetz hat aufgehört zu existieren.
"Nadeshda" wird leben.
Zum Jahresende wird ein neues Buch erscheinen,
dass die Geschichte der Hündin Nadeshda,
die verbunden ist mit der Geschichte der
Station Losenetz, die nun ihren Namen trägt,
erzählen wird.
Es trägt den Titel "Diesseits
der Hoffnung"
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