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Neues aus dem bulgarischen
Tierschutz
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Liebe Tierfreunde!
Wir können es nur begrüßen, wenn
sich Menschen dafür stark machen, dass den
Rechten der Tiere Gehör verschafft wird.
Das gilt natürlich auch - und vor allem -
in dem Land, in dem wir uns selbst engagieren,
in Bulgarien. Dennoch können wir nicht umhin
immer wieder festzustellen, dass mit den Mitteln
der Demagogie allzu häufig "Wahrheiten"
behauptet und in Umlauf gebracht werden, die bestenfalls
noch als Halbwahrheiten bezeichnet werden können.
Wenn sich daran dann noch Spendenaufrufe knüpfen
ist wohl etwas mehr angebracht als nur skeptisches
Stirnrunzeln.
Da geht also eine Meldung über einen großen
Verteiler, die von einer neuen, künftigen
Protestaktion kündet:
"Isolatoren isolieren
Bulgarien von der EU"
Keine Tötungslager in Europa, keine Pelzmäntel
aus Hundefell made in Bulgaria."
Gegen diese Maxime kann es keine Einwände
geben, auch nicht gegen die Erläuterung,
was sich hinter dem Begriff "Isolatoren"
verbirgt, nämlich Tötungsanstalten;
auch nicht dagegen, dass sich "Diese Protestaktion
... an den Ministerpräsidenten der Republik
Bulgarien, das bulgarische und das europäische
Parlament wenden" soll.
Aber es geht weiter: "Eine vordergründig
gute Nachricht: das Tötungslager Loseniz
wurde geschlossen. Der Sofioter Oberbürgermeister
Borisov wollte sich wohl die negative Publicity
über diesen Namen, der zum Synonym für
die inhumanen Praktiken Bulgariens gegenüber
den Straßenhunden wurde, nicht weiter leisten.
Zur Erläuterung: Mit "Loseniz"
ist offensichtlich die Station im Sofioter Stadtteil
Losenetz gemeint, die von uns im April übernommen
wurde, nun den Namen "Nadeshda" (Hoffnung)
führt, mittlerweile knapp 60 Hunde im Daueraufenthalt
beherbergt und in der seit vier Wochen intensiv
kastriert wird.
Dann heißt es: "An
der Stelle von Loseniz ist ein neues Todeslager
mit dreifacher Kapazität in Betrieb genommen
worden: SESLAVZI. Dort werden die
Hunde nach wie vor "euthanasiert". Das
Mittel der Wahl ist "EVTANSIN" - ein
billiges bulgarisches Medikament mit fragwürdiger
Wirkung. Die Hunde sterben langsam und qualvoll."
Hier müssen wir die Frage stellen aufgrund
welcher Beweise eine solche Behauptung aufgestellt
worden ist, bzw. ob die Verfasser dieses Berichtes
von Augenschein oder von Gerüchten sprechen?
Wahr ist: es gibt eine Station in Seslavzi, ca.
30 km von Sofia entfernt, eine relativ große,
neu errichtete Anlage. Wenn hier jedoch von "dreifacher
Kapazität" gesprochen wird, kann sich
das allerdings nur auf die räumliche Ausdehnung
beziehen, nicht auf die Anzahl der dort befindlichen
Hunde. Und die Verfasser des Artikels können
nie - niemals! - auch nur einen Fuß nach
Losenetz hineingesetzt, niemals die engen, dunklen
und nassen Käfige gesehen haben, in denen
die Tiere zu Dutzenden jämmerlich eingepfercht
waren, und die noch nach der Übernahme ein
Bild des Grauens boten.
Wenn Sie den folgenden Link http://www.bezdom.info/index.php?option=com_content&task=blogsection&id=8&Itemid=62
anklicken gelangen Sie auf eine bulgarische Internetseite,
auf der interessanterweise ca. 20 Hunde, die zwischen
dem 16. und 22. August, also innerhalb einer Woche,
nach Seslavzi gebracht worden waren, zur Vermittlung
angeboten werden. (Zum Vergleich: in jeder Woche
wurden in Losenetz zwischen 200 und 300 Hunde
umgebracht, eine Vermittlung gab es überhaupt
nicht, sondern es wurde, im Gegenteil, den Bürgern
fast unmöglich gemacht Hunde aus dem Isolator
zu adoptieren.)
Ohne behaupten zu wollen, dass die Hunde hier
wie im Paradies leben, ist doch eine deutliche
Verbesserung der Unterbringung festzustellen -(immer
im Vergleich zum ehemaligen Losenetz). Auf den
Bildern ist deutlich zu erkennen, dass die Räume
hell sind, die Zwinger sauber und trocken, die
Hunde auf Paletten liegen und weder erbärmlich
verhungert noch verängstigt aussehen. Dies
sind Verhältnisse, die vom ehemaligen Losenetz
unendlich weit entfernt sind. Zudem wissen wir
aus gut unterrichteten Kreisen, dass die Hunde
nicht mehr massenhaft eingefangen werden, sondern
nur noch aufgrund von Bürgerbegehren, was
auch die geringe Anzahl der Insassen erklärt.
Nach unserer Meinung deutet dies auf eine gravierende
Kehrtwende hin, die ihre Ursache sehr wahrscheinlich
auch in der bevorstehenden Verabschiedung des
Tierschutzgesetzes, das wir Ihnen in Auszügen
bereits übermittelt haben, hat.
Wir könnten demnach die angekündigten
Proteste als eine Aktion betrachten, bei der mit
wildem Getöse durch offene Tore geprescht
werden soll. Hier wird mit der "Vermittlung
von Todeskandidaten und dem Angebot von Patenschaften
für diese Hunde" geworben - wie
bitte? Welcher Hunde? Die, welche laut eigener
Aussage nach wie vor euthanasiert werden? Wie
sollte eine solche Vermittlung denn aussehen?
Wo bleiben sie bis zur Vermittlung? Wo bleiben
sie als Patenhunde? In Seslavzi? Dort werden sie
doch, wie wir gelesen haben, umgebracht!
Es kann manchmal Wochen oder Monate dauern bis
ein Hund vermittelt wird, wo also bitte schön,
bringt man sie bis dahin unter?
Wir haben nicht den Eindruck, dass hier jemand
weiß wovon er eigentlich redet.
Sie können sicher sein, sollte es jemals
tatsächlich "Haus und Land"
- (mit Spenden erworben!) - geben wo Tiere ein
Asyl finden, werden wir mit Brot und Salz vor
dem Tor stehen und gratulieren.
Bis jetzt gibt es nur "Nadeshda" - und
dort befinden sich zur Zeit fünf weitere
Fellnasen aus Seslavzi - drei haben wir bereits
Anfang Juli von dort geholt - die bei uns kastriert
wurden und bis zur Vermittlung auch hier bleiben
werden.
Im Augenblick sind wir die einzige Station in
der kostenlos kastriert wird, obwohl die
Sanierungsarbeiten noch längst nicht abgeschlossen
sind. Es ginge sicher schneller, wenn all die
Tierschützer, die jahrelang vor den Toren
des Isolators protestiert haben, ihre helfende
Hand reichen würden. Bislang hat sich niemand
zu uns verirrt, obwohl fleißig weiter protestiert
wird. Nur eben woanders.
Das ist der Unterschied zwischen "politischem"
und "praktischem" Tierschutz.
Wir sind die, die letzteres tun. Darum haben wir
auch keine Zeit zum protestieren.
Db Team im August 06
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